VfB Forchheim 1861 e.V.

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03.04.2010
Sportlerin der Woche: Torhüterin Katharina Heid wechselte in der Jugend vom Ballett zum Handball, weil sie den gegenseitigen Ansporn schätzt. Jetzt wurde sie mit dem VfB-Team Meisterin.
Tänzerin zwischen den Pfosten
Von Gernot Wildt (Fränkischer Tag vom 3. April 2010)

Jahrelang hatten die Handballspielerinnen des VfB Forchheim II einen Trainer und schnitten mit ihm stets im oberen Mittelfeld ab. Als sie sich gegenüber der Ersten Mannschaft benachteiligt fühlten, beschlossen sie, die Saison ohne Trainer durchzustehen. Und es hat auf Anhieb geklappt: Nach der Zusammenlegung der Ersten und Zweiten Mannschaften gelang souverän der Aufstieg aus der Bezirksklasse Ostbayern West.

Was Katharina Heid mit ihren Torfrau-Kolleginnen Sybille Wolf und Nadine Frank in dieser Saison zwischen den Pfosten des VfB Forchheim geleistet hat, ist ohne Zweifel bemerkenswert. Natürlich ist das Trio nicht allein für die 20:0 Punkte (bei einem Torverhältnis von 249:128 Treffern) verantwortlich. Aber auch im Frauenhandball gilt, dass eine gute Hintermannschaft ohne eine überragende Torhüterin nur die Hälfte wert ist. Vielleicht sogar weniger als die Hälfte.
Dabei war der Vorsprung der VfB-Frauen viel knapper, als die 20:0 Punkte erwarten lassen. Der Tabellenzweite HSG Pyrbaum/Seligenporten II stand in der Endabrechnung nur um vier Punkte schlechter. Doch der frisch gebackene Ligameister ließ einfach nichts anbrennen. Auch Pyrbaum wurde zwei Mal (25:18 und 21:16) besiegt. Auch der Dritte und Vierte, HSG Erlangen/Niederlindach II und die TS Herzogenaurach III konnten dem VfB-Team nicht das Wasser reichen. Die Überlegenheit des VfB drückt sich besonders drastisch in den Ergebnissen gegen die beiden Schlusslichter, Baiersdorfer SV und DJK Erlangen, aus: 34:18, 22:10, 35:3 und 26:6.
Vor wenigen Tagen trat die Mannschaft gegen die Erlangerinnen noch einmal zum Pokalspiel an – und auch das endete (trotz Trainingsschluss) 32:5.

Katharina Heid kam durch ihre Schulfreundin Anna Gößwein zum Handball, die auch heute noch ihre Mannschaftskameradin ist. Damit ging der Welt eine Balletteuse verloren, denn seit ihrem dritten Lebensjahr tanzte „Katha" Ballett, unter anderem bei Raisa Franke und im Privatunterricht. Doch auf die Dauer war das keine Sportart für sie: „Ich wollte etwas mehr Mannschafts- und Leistungsbezogenes", beschreibt sie, was in ihr vorging. „Etwas, wo man sich gegenseitig anspornen und mitreißen kann." So war sie bereits 12 oder 13 Jahre alt, als sie zum Handball und sofort in die C-Jugend kam.
Katharina Heid war zunächst Feldspielerin. Grade im Handball werden Torwarttalente erst während des Spielens entdeckt – zur Torfrau geboren scheint keine. Höchstens vielleicht ihre Kollegin Pia Simmerlein: „Für die war es ein Glücksfall, dass sie Torhüterin wurde." Als Katharina Heid eher zufällig aufgefordert wurde, es doch mal im Tor zu probieren, stellte sie sich ausgesprochen gut an und war die zweite Torfrau neben Pia Simmerlein, von der sie sich einiges abschauen konnte. Simmerlein wurde später Auswahlspielerin und landete beim 1. FC Nürnberg – für sie war der Platz zwischen den Pfosten also tatsächlich goldrichtig.
Mit ihr wechselte sich „Katha" fortan ab und musste die Erfahrung machen, zur Schießbudenfigur zu werden. In der Bayernliga der C-Jugend war man hoffnungslos unterlegen. In der B-Jugend ging es gleich in die Bezirksoberliga hinunter; es folgte sofort der Aufstieg, dann drei Spielzeiten in der Landesliga. Schließlich hatte der VfB keine A-Jugend und alle spielten gleich bei den Damen.
Auch hier spielte die Erste Mannschaft in der Landesliga, doch Katharina Heid entschied sich dafür, mit der Zweiten Mannschaft in der Bezirksklasse zu spielen. Die Gründe dafür lagen ausschließlich im schulischen Bereich. Heuer will „Katha" Abitur machen, und da hofft sie auf etwas ruhigere Fahrwasser.
In der „Zweiten" wechselte sie sich mit Sybille Wolf ab, während Nadine Frank noch mit Pia Simmerlein in der „Ersten" ein Tandem bildete. Trainiert wurden beide Teams von Thomas Marenbach, der sich aber immer stärker auf die Landesliga-Mannschaft konzentrieren musste. Später wurden beide Mannschaften zusammengelegt: die Spielerinnen wollten aber lieber in die Bezirksklasse und nicht in die Landesliga. Einige fühlten sich zu alt und auch der Verein wollte die Chance zum Neuaufbau nutzen.
Jetzt, da es nur noch eine Mannschaft gibt, „ist der Zusammenhalt größer", lautet Katharina Heids Einschätzung. Auch die Tatsache, dass es jetzt statt zwei drei Torfrauen gibt, ist kein Problem. „Es ist nur eine Frage der Organisation" – das Wort „Zickenkrieg" wüssten „Katha", Sybille Wolf und Nadine Frank wahrscheinlich nicht einmal zu buchstabieren.
Auch in einer Saison ohne Trainer geht es nicht ganz ohne Trainer ab. Das Training übernahmen zwei ältere Spielerinnen, Claudia Weber und Martina Schulz und nicht nur Katharina Heid hofft, dass sich die beiden das mit dem Aufhören doch noch mal überlegen.
Einen Trainer will die Mannschaft aber trotz des Erfolgs „Marke Eigenbau" wieder. Derzeit wird noch nach einer geeigneten Person gesucht, verriet Katharina Heid. Aber Trainer wachsen schließlich nicht auf Bäumen – und Trainer, die mit einem Team so selbstbewusster junger Damen erfolgreich arbeiten können, schon gar nicht.